„travel“ mal anders – mein erster Pilz-Trip Pt. 2

Julian, Manu und ich lagen ausgestattet mit Schlafsäcken und Kissen auf unserem Hügel, von dem man wunderbar den Campingplatz und das umliegende Gewässer sehen konnte. Zusammen mit den Erdnüssen aßen wir die Trüffel, die aussahen wie zerhackte Walnüsse und ziemlich modrig schmeckten. Ich fand entgegen vieler Meinungen das Essen der Trüffel allerdings gar nicht so schlimm. Bis es dann los ging, versuchte ich mir auf Manus Rat hin vorzustellen, dass trippen ein bisschen wie surfen wird, man lässt sich einfach von den psychodelischen Wellen tragen. Das nahm mir irgendwie auch die Angst vor einem Badtrip, der dadurch nichts weiter als eine „schlechte Welle“ war.

Da lag ich nun auf unserem Hügel, mit den Trüffeln im Bauch und wartete, dass etwas passierte. Nach etwa einer halben Stunde stellte ich fest, dass die Umgebung um uns irgendwie unglaublich schön war. Und das brachte mich zum lachen. Es war alles auf einmal so herrlich. Die Sonnenstrahlen, die durch die Bäume auf uns vielen, der Wind, die ganze Situation. Einfach herrlich.

Nach 30 Minuten

Ich begann Dinge intensiver wahrzunehmen, die sonst selbstverständlich und ohne große Bedeutung waren – etwa, wie die Blätter im Wind wehten oder wie in der Ferne ein paar Kinder lachten. Ich weiß nicht, wer von euch damals die Twilight Bücher gelesen hat. Aber ich musste an die Stelle denken, als Bella zum ersten mal mit Vampir-Sinnen erwacht und ihre Umgebung erforscht. Als ich das realisierte bekam ich einen Lachflash. Die anderen wussten zwar nicht, warum aber stimmten mit in mein Lachen ein.

Nach 1 Stunde

Wir hatten uns zuvor eine Playlist erstellt, die wir nun über eine Musikbox laufen ließen. Ich weiß noch genau, wie ich Dick Dales‘ Surf-Gitarre zuhörte, als ich anfing zu fliegen. Wirklich, es hat sich angefühlt, als würde ich aus unserem Universum heraus in ein parallel-Universum fliegen. Alles um mich herum existierte genau so weiter, nur gab es plötzlich z.B. keine Zeit mehr. Genauso wie Nähe und Distanz. Oder Temperatur. Das waren auf einmal völlig irrelevante Größen. Als nächstes merkte ich, wie sich meine Sinne immer mehr miteinander vermischten. Wenn ich einen Baum ansah, fühle ich ihn, hörte ihn, so als hätte er eine eigene Persönlichkeit. Als „I need you“ von Lynyrd Skynyrd lief, spiegelte sich die Musik optisch in der Natur wieder. Die Umgebung war eins mit meinen Sinnen und ich war eins mit der Umgebung. Lol

Julian forderte mich irgendwann auf, mal in die Wolken zu schauen. Also legte ich mich eingemummelt in meinen Schlafsack hin und sah nach oben. Gefühlt für die komplette nächste Stunde, denn ich war hin und weg wie schön der Himmel war. Die Wolken tanzten, zwischen ihnen tauchte immer mal ein Mandala auf, ein wunderbares „Natur“-Schauspiel.

so in etwa sahen die Mandalas aus 🙂

Dann ging die Sonne unter. Und Leute, das war einer der schönsten Sonnenuntergänge, die ich erleben durfte. Ich bin eh total der Romantiker was sowas angeht und dann auch noch auf Pilzen… Auf jeden Fall starrte ich für die nächsten 30 min den gelb-roten Feuerball an, wie er sich langsam dem Horizont näherte. Ich stand auf und hatte das Bedürfnis, mit den Sonnenstrahlen zu tanzen. Ich verstehe jetzt übrigens auch endlich die ganze psytrance/psychodelia Mukke – wenn du drauf bist, ist das in der Tat ziemlich geil (ansonsten klingt dieses Genre für mich eher wie Ohrenkrebs). Muss sehr witzig für Wieland (Freund von uns) gewesen sein, der zu diesem Zeitpunkt nachsah, wie es uns ging.

Stunde 3 und 4

Ehrlich gesagt ist der Sonnenuntergang das Letzte prägende Ereignis, an das ich mich genau erinnere. Was danach kam, lässt sich auch nicht so gut in Worten beschreiben. Es war wirklich wie surfen. Mal war ich auf einer optischen Welle, mal auf einer Denker-Welle, mal auf einer Audio-Welle. Aber ich konnte mich nie sattsehen an meiner Umgebung – alles, was ich ansah, hat auf einmal so viel Sinn gemacht. Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, ich konnte meine Perspektive ändern, raus- und reinzoomen, wie mit einer Kamera. Ich kam mir ein bisschen vor wie ein Guru, der den tieferen Sinn des Lebens erkennt, völlig im Einklang mit sich selbst. Schade, dieses Gefühl hätte ruhig ein bisschen länger bleiben können 😀

Es kamen immer mal Leute von uns vorbei, um nach uns zusehen. Aber ich war nicht wirklich in der Lage zu kommunizieren. Einer von ihnen, Till, wollte mir irgendwann ein Stück Halloumi vom Grill andrehen. Aber ich wusste gar nicht, was ich damit anfangen sollte. Essen? Was ist das? Es schien völlig absurd, darauf herumzukauen, weshalb ich nach einem Biss schon keine Lust mehr hatte.

Der Horror-Trip

Ja, ich hatte tatsächlich auch kurz eine schlechte Erfahrung beim Trippen. Ich musste irgendwann aufs Klo. Das war erst mal die Herausforderung schlechthin, da sich laufen wie schweben anfühlte und ich nicht wirklich wusste, wie man seine Gliedmaßen benutzt. Aber keine Angst, es ging schon. Doch unten auf dem Campground angekommen überkam mich auf einmal eine riesige Angst, von Leuten gesehen zu werden. Ich redete mir ein, dass jeder auf dem Campingplatz wüsste, wie drauf ich bin und mich deshalb verurteilt. Diese paranoide Einstellung übertrug sich dann auf meine Optik. Ich lief weiter und es war exakt so wie in Inception, dass sich die Menschen um mich herum langsam zu mir umdrehten und mich anstarrten. Ihr könnt euch vorstellen, wie gruselig das war und wie schnell ich deshalb meinen Toilettengang hinter mich brachte. Ich glaube, ich bin auf dem Rückweg sogar gerannt. Zum Glück riss mich Manus „Na du Engel“ wieder in die Realität zurück, als ich zurück auf den Hügel lief. Danke, du Engel.

Der Nachklang

Wenig später merkte ich, dass ich langsam wieder zur Erde zurück flog. Die Optik wurde wieder klarer und die fehlenden Größen kehrten wieder zurück. Ich war aus dem Trip-Zug ausgestiegen und sah zu, wie er die Türen schloss und langsam weiter tuckerte. Es war mittlerweile stockdunkel und arschkalt auf unserem Hügel. Und das traurige war, ich sah mich um und die Umgebung war in echt nicht mal halb so schön wie auf Pilzen 😀 Da die anderen beiden 5 Gramm mehr gegessen hatten als ich, waren sie noch voll in ihrem Trip. Ich legte mich noch ein bisschen dazu und begann über das nachzudenken, was die letzten 4 Stunden abging. Ich glaube, ich hatte selten solche tiefgründigen Gedanken. Und das heißt schon was, denn ich habe eigentlich fast immer tiefgründige Gedanken.

Fazit

Mein erstes Mal auf Pilzen – und mein erster psychodelischer Trip überhaupt – war schon ziemlich beeindruckend. Ich finde es total interessant, wie die Trüffel wirken und zu was man subjektiv auf einmal in der Lage ist. Mich hat auch den ganzen Abend der Gedanke verblüfft, dass ja wirklich nur ich diese Dinge wahrgenommen habe, darauf kam ich irgendwie nicht klar. Für mich war das Ganze auch eine ziemlich krasse spirituelle Erfahrung, wie ihr vielleicht manchen Textpassagen entnehmen konntet. Ich habe meine Vorurteile gegenüber Pilzen definitiv abgelegt. Allerdings muss ich trotzdem sagen, dass ich gerade deshalb riesigen Respekt vor diesen Drogen habe und nicht weiß, ob ich es nochmal machen würde. Wie sagt man so schön, man sollte aufhören, wenn’s am schönsten ist. Außerdem will ich mit diesem Bericht auf keinen Fall Leute überreden, das selbst auszuprobieren. So eine spontane Aktion hätte, gerade bei mir Sorgenkind, auch nach hinten losgehen können. Und das sollte man sich dann zweimal überlegen, denn Paranoia sind echt uncool. Wenn ihr es doch mal ausprobieren wollt, holt euch im Voraus genug Infos und schaut, dass ihr jemanden dabei habt, der sich auskennt und zur Not euer Trip-Sitter sein kann.

 

 

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