Von Monstern, Teufeln und dunklen Welten

Eines der schlimmsten Gefühle für mich ist es, in vollem Bewusstsein zu fallen. Psychisch zu fallen. Es fühlt sich an, als fällst du in Zeitlupe in einen Tunnel, aus dem sich dir fiese Gedankenmonster im Zerstörungsmodus entgegen räkeln. Diese Gedankenmonster sind bewaffnet mit Ängsten, Zweifeln und Panik. Du fällst ihnen in Zeitlupe in die Arme und bist unfähig, etwas dagegen zu machen. Das Licht, in dem du standest, bevor du gestolpert bist, entfernt sich. Deine ganze Welt entfernt sich. Während dem Fallen wird es dunkler – dunkelblaue Umrisse fliegen an dir vorbei. Und dann wird es schwarz. Eine allumfassende Dunkelheit. Depression.

Ich bin heute aufgewacht und wusste, es wird ein schwerer Tag für mich. Es ging mir die letzte Woche erstaunlich gut. Ich unternahm fast jeden Tag etwas mit Freunden und konnte dabei oft einfach entspannen. Entspannung zu empfinden ist für mich die größte Erleichterung, denn für gewöhnlich stehe ich innerlich immer unter Strom. Das Problem ist nur leider, dass ich mittlerweile solch „entspannte“ Gefühle und Tage als Warnung ansehe. Das merke ich meistens nachts, denn ich kann kaum schlafen. Ich habe solche Angst davor, dass der nächste Tunnel in die dunkle Welt namens Depression in unmittelbarer Nähe ist.

Gestern fing ich wieder an zu fallen. Und es war im ersten Moment fast erleichternd, wie sich dieses ungute Gefühl in mir breit machte. So als würde ich wieder zu mir selbst zurückkehren. Aber das ist Bullshit, das weiß ich. Ich bezeichne meine Probleme immer als Teufelchen. Und es gibt nicht nur einen davon, sondern eine ganze Armee. Die Teufelchen kommen aus der Depressions-Welt und wollen mich dorthin locken. Sie sitzen mir auf der Schulter und flüstern mir schwachsinnige Sachen zu – wie auch, dass ich ich selbst bin, wenn es mir schlecht geht.

Die sind ganz schön verführerisch, die kleinen Kerlchen. Manche von ihnen bin ich schon losgeworden. Beispielsweise den Teufel Ed. Ed (Eating Disorder) war der Erste, der es bei mir versucht hat. Er überzeugte mich davon, dass ich zu dick sei und deshalb nichts mehr essen durfte. Tja – das Essen hat dann nach einem langen Kampf doch gewonnen. Wäre auch echt eine Schande wenn nicht 😀
Danach kam Teufel Jim (oder auch Gym) und wollte mich verführen, bis kurz vor Ultimo Sport zu machen. Jim habe ich ziemlich radikal aus meinem Leben gekickt. Ich muss erst wieder lernen, auch ohne ihn trainieren zu können. In gewisser Weise neu laufen lernen.

Mein größtes Problem ist ein Teufel, der sich Grenzwandler nennt. Er ist auch der erste, vor dem ich richtig Angst habe, weil er einen Teil meiner Persönlichkeit in Besitz hält. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie ich ihn zu fassen bekomme. Ich weiß nur, dass er mich nicht nur verführen, sondern mir auch körperlich schaden – mich vielleicht sogar umbringen – will. Die Rede ist von Borderline.

Ich hoffe, ich konnte halbwegs schön bildlich darstellen, was in mir vorgeht. Ich verwende diese Metaphern dafür, zu beschreiben, wie es mir geht. Vielleicht erkennt sich jemand darin wieder 🙂