Glauben – was bedeutet das?

Ich glaube… Ein Ausdruck der so ungewiss und verschwommen ist und in dem doch eine so große Bedeutung mitschwingt. Kaum einem Ausdruck sind wohl so viele Missverständnisse und Auseinandersetzungen zuzuschreiben. Ich widme mich diesem Thema, weil mich mein Glaube manchmal das einzige ist, was mich am Leben hält. Harte Worte, die mit Sicherheit Fragen und Unverständnis aufkommen lassen.

Im Grunde genommen kann man den Begriffserklärungen des Wortes „Glauben“, wie sie im Duden stehen, die Aussagen „Ich glaube, dass..“ und „Ich bin gläubig.“ zuordnen. Es gibt aber noch eine dritte Kategorie, die sich nur schwierig eingrenzen lässt: „Ich glaube an..“ bzw. „ich glaube daran, dass..“. Und um diesen Glauben geht es mir.

Ich bin nicht in einer religiösen Familie aufgewachsen. Meine Eltern sind beide aus der Kirche ausgetreten und so ziemlich alles, was in meiner Kindheit mit dem Christentum in Verbindung steht, ist der Weihnachtsgottesdienst, meine Taufe und meine Konfirmation. Und dorthin wurde ich quasi „mitgeschleift“, ich habe das gemacht, weil es in meinem Umfeld so üblich war und ohne nach einem tieferen Sinn zu Fragen. Aber das hat sich geändert. Ein seltenes Lob an das deutsche Schulsystem, denn dies verdanke ich zu großen Teilen dem Religions-LK in der Oberstufe.

Was ich heute unter Glauben verstehe: Für mich ist jeder Glaube einzigartig. So wie jeder Mensch einzigartig ist. Und deshalb halte ich es für Schwachsinn, einen Menschen wegen seinem Glauben (oder Nicht-Glauben, wenn er das so nennen will) infrage zu stellen. Glauben und gläubig sein hat nicht zwingend etwas mit Religion oder Verehrung eines Gottes (oder mehrerer Götter) zu tun. Es bezieht sich finde ich viel mehr auf die Werte, nach denen ein Mensch in seinem Leben strebt und die sein Handeln und Denken beeinflussen. Die Religionen, die es in unseren Kulturen so gibt, fassen verschiedene Werte und Regeln zusammen, die es uns erleichtern, als Gesellschaft in dieser Welt zu zusammenzuleben. Und es ist doch im Grunde genommen scheißegal an was oder wen ein Mensch glaubt, solange er sich damit mit dem Rest dieser Welt solidarisieren kann.

Deshalb finde ich es auch unglaublich traurig, dass es etwas wie Religionskriege und Fundamentalismus gibt. Ich weiß selbst nicht, ob ich an Gott, Buddha, Allah oder einen ihrer Kollegen glauben kann und will. Aber ich weiß, dass es mir hilft, einige, mir unerklärliche Dinge, aus meiner Hand zu geben. Ich glaube, dass es Sachen gibt, die nicht in unserer Hand liegen und die nicht (oder zumindest nicht zufriedenstellend) erklärbar sind.

Nehmen wir die Liebe als Beispiel. Für den einen ist es göttliche Bestimmung, für den anderen ist es ein biologischer Prozess und wieder ein anderer hinterfragt sie erst gar nicht. Und jeder ist von seinem eigenen Glauben überzeugt, doch niemand hat für mich mehr Recht als der andere. Ich selbst glaube an Werte wie Loyalität, Hoffnung oder Vertrauen. Und ich weiß, dass mir diese Einstellung schon oft den Allerwertesten gerettet hat. Ich bin schon oft an dem Punkt gewesen, an dem mir einfach die Kraft ausging, noch weiter gegen die kleinen Teufelchen, die mir im Kopf sitzen, anzukämpfen. Diesen Punkt habe ich auch jetzt wieder erreicht. Doch ich glaube weiterhin, hoffe weiterhin und vertraue weiterhin. Ich gebe nicht auf.